Online Shop erstellen: Was Schweizer KMU wirklich wissen müssen
Ein Zürcher Möbelschreiner mit drei Angestellten verkauft seit Jahrzehnten über seine Werkstatt. Laufkundschaft, Empfehlungen, ab und zu eine Messe. Dann erstellt er einen Online Shop – und erzielt nach sechs Monaten 30 % seines Umsatzes digital. Kein Einzelfall.
Der Schweizer B2C-Onlinehandel erreichte 2024 einen Umsatz von CHF 13,8 Milliarden (Quelle: Handelsverband.swiss / VSV, Onlinehändlerbefragung 2024). Und trotzdem: Gemäss einer Studie der HWZ und localsearch aus dem Jahr 2023 hatten rund 40 % der Schweizer KMU noch keinen eigenen Webshop. Das Potenzial ist also erheblich – gerade für kleinere Betriebe, die bisher ausschliesslich offline verkaufen.
Wenn Sie einen Online Shop erstellen möchten, stehen Sie vor einer Reihe konkreter Entscheidungen. Welches Shopsystem passt? Was darf es kosten? Und welche Schweizer Besonderheiten müssen Sie beachten? Dieser Leitfaden gibt Ihnen Orientierung – ohne Verkaufsfloskeln, dafür mit Praxisbezug.
Warum gerade jetzt ein Online Shop erstellen?
Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der höchsten Internetdurchdringung weltweit. 96 bis 97 % der Bevölkerung nutzen regelmässig das Internet (Quelle: BFS, Omnibus IKT-Erhebung 2023/2024). Rund 80 % der Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren haben in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Online-Einkauf getätigt.
Die Nachfrage ist also da. Was viele KMU unterschätzen: Es geht nicht darum, Amazon Konkurrenz zu machen. Es geht darum, den bestehenden Kundenstamm besser zu bedienen und neue Käufergruppen zu erschliessen, die Sie über einen physischen Standort allein nie erreichen würden.
99,7 % aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU (Quelle: BFS, Unternehmensdemografie STATENT). Das bedeutet: Ihre Mitbewerber sind in der gleichen Situation. Wer jetzt handelt, verschafft sich einen spürbaren Vorsprung.
Die richtige Plattform: Welches Shopsystem passt zu Ihrem KMU?
Die Plattformwahl ist die wichtigste Einzelentscheidung beim Erstellen eines Online Shops. Sie bestimmt Kosten, Flexibilität und den langfristigen Aufwand. Hier ein ehrlicher Vergleich der gängigsten Optionen für den Schweizer Markt:
Shopify – schnell startklar, aber mit Einschränkungen
Shopify ist eine gehostete Lösung ab ca. USD 32 pro Monat (Basic-Plan, Stand 2025). Der Vorteil: Sie brauchen sich um kein Hosting zu kümmern, Updates laufen automatisch. Für Schweizer Shops ist die Mehrwährungsfähigkeit (CHF und EUR) relevant und mittlerweile gut gelöst. Der Nachteil: Bei individuellen Anpassungen stossen Sie schneller an Grenzen, und die Transaktionsgebühren kommen zu den Zahlungsanbieter-Kosten hinzu.
WooCommerce (WordPress) – flexibel, aber nicht wartungsfrei
WooCommerce ist Open Source und kostenlos. Die Hosting-Kosten in der Schweiz liegen bei etwa CHF 10 bis 50 pro Monat. Ein professionelles Setup durch eine Agentur kostet für ein typisches KMU-Projekt zwischen CHF 3’000 und 15’000. Der grosse Vorteil: maximale Kontrolle über Design, Funktionen und Daten. Der Nachteil: Sie oder Ihre Agentur müssen sich um Updates, Sicherheit und Performance kümmern.
Schweizer Lösungen wie MyCOMMERCE
MyCOMMERCE (by Swisscom) wurde speziell für den Schweizer Markt entwickelt. Einstieg ab ca. CHF 0 bis 29 pro Monat, inklusive CHF-Unterstützung, Schweizer Zahlungsmittel und korrekter MWST-Handhabung. Für kleinere Sortimente und den schnellen Einstieg eine überlegenswerte Option – allerdings mit begrenzten Gestaltungsmöglichkeiten.
Shopware und Magento – für grössere Vorhaben
Shopware und Magento (Adobe Commerce) richten sich an mittlere bis grosse Shops. Setup-Kosten beginnen bei CHF 15’000 und können CHF 50’000 deutlich übersteigen. Für ein KMU mit 50 bis 200 Produkten ist das in den meisten Fällen überdimensioniert.
Eine kontraintuitive Beobachtung dazu: Die teuerste Plattform führt nicht automatisch zum besten Ergebnis. Wir erleben regelmässig, dass KMU mit einem schlanken WooCommerce-Shop und gutem Web Hosting bessere Ergebnisse erzielen als Unternehmen, die fünfstellige Beträge in ein Enterprise-System investiert haben, das anschliessend niemand intern pflegen kann.
Zahlungsmittel: TWINT ist kein Nice-to-have
Hier trennt sich der Schweizer Online Shop vom internationalen Standard. TWINT ist das meistgenutzte mobile Zahlungsmittel der Schweiz mit über 5 Millionen aktiven Nutzern (Quelle: TWINT AG, 2024). Wer einen Online Shop für den Schweizer Markt erstellt und TWINT nicht integriert, verliert Käufer. So einfach ist das.
Darüber hinaus sollten Sie folgende Zahlungsarten anbieten:
- Kreditkarten (Visa, Mastercard) – nach wie vor der Standard im E-Commerce
- PostFinance – besonders in der Deutschschweiz stark verbreitet und von vielen Kundinnen und Kunden erwartet
- Rechnungskauf (z. B. via Klarna oder MFGroup/Powerpay) – erhöht die Conversion Rate spürbar, weil die Zahlungshürde wegfällt
- PayPal – vor allem bei jüngeren Käufergruppen und internationalen Bestellungen relevant
Das eigentliche Problem ist nicht die technische Integration – die meisten Shopsysteme bieten Plugins dafür. Das Problem ist, dass viele KMU aus Kostengründen nur eine oder zwei Zahlungsarten anbieten und sich dann wundern, warum die Abbruchrate im Checkout hoch ist.
Online Shop erstellen: Agentur, Freelancer oder Eigenregie?
Diese Frage beschäftigt nahezu jedes KMU. Alle drei Wege haben ihre Berechtigung – je nach Budget, Zeitrahmen und internem Know-how.
Eigenregie mit Baukastenlösung
Geeignet für Kleinstunternehmen mit wenigen Produkten und einem Budget unter CHF 2’000. Tools wie Shopify oder MyCOMMERCE machen es möglich. Die Einschränkung: Sie investieren viel eigene Zeit, und das Ergebnis sieht oft «zusammengeklickt» aus. Für einen professionellen Marktauftritt reicht das selten.
Freelancer
Ein erfahrener Webentwickler erstellt Ihnen einen soliden Shop für CHF 3’000 bis 10’000. Vorteil: persönlicher Ansprechpartner, oft günstiger als eine Agentur. Risiko: Fällt der Freelancer aus – Krankheit, Auslastung, Berufswechsel – stehen Sie ohne Support da.
Digitalagentur
Eine Agentur bietet das Gesamtpaket: Konzeption, Design, Entwicklung, SEO, laufende Betreuung. Die Kosten liegen höher, dafür erhalten Sie ein Team statt eine Einzelperson. Besonders sinnvoll, wenn Sie den Shop nicht nur erstellen, sondern auch vermarkten wollen – etwa über SEO oder Google Ads.
Wenn Sie sich für den Agenturweg interessieren, können Sie bei uns direkt einen Onlineshop erstellen lassen – inklusive Beratung zu Plattform, Zahlungsmitteln und rechtlichen Anforderungen.
Rechtliche Pflichten: Was Schweizer Shopbetreiber beachten müssen
Hier wird es ernst. Seit dem 1. September 2023 gilt das revidierte Datenschutzgesetz (nDSG). Das betrifft jeden Online Shop direkt. Hinzu kommen weitere Pflichten, die das SECO in seinem Leitfaden E-Commerce festhält:
- Impressumspflicht: Firmenname, Adresse, E-Mail und UID-Nummer müssen klar erkennbar sein.
- Datenschutzerklärung: Muss den Anforderungen des nDSG entsprechen – insbesondere bei Tracking-Tools, Cookies und der Weitergabe von Daten an Dritte (z. B. Zahlungsanbieter).
- MWST-Auszeichnung: Preise müssen für Konsumenten inklusive Mehrwertsteuer angegeben werden.
- Widerrufsrecht: Obwohl in der Schweiz kein gesetzliches Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen besteht (anders als in der EU), empfiehlt es sich aus Vertrauensgründen, ein freiwilliges Rückgaberecht anzubieten.
Viele KMU unterschätzen den letzten Punkt. Ein 14-tägiges Rückgaberecht kostet Sie in der Praxis wenig, baut aber erhebliches Vertrauen bei Erstkäufern auf.
SEO für Ihren Online Shop: Sichtbarkeit von Anfang an
Ein Shop ohne Besucher ist ein Lager. Suchmaschinenoptimierung sollte deshalb nicht erst nach dem Launch beginnen, sondern bereits in die Struktur des Shops einfliessen.
Das Keyword «online shop erstellen» hat gemäss öffentlich einsehbaren Daten (Näherungswerte von Semrush) ein monatliches Suchvolumen von ca. 500 bis 1’500 in der Schweiz. Der Wettbewerb ist mittel bis hoch. Für Ihre Produktseiten gelten ähnliche Gesetzmässigkeiten: Ohne gezielte Keyword-Recherche und saubere Onpage-Optimierung bleiben Sie unsichtbar.
Drei Hebel, die sofort wirken:
- Einzigartige Produktbeschreibungen statt kopierter Herstellertexte – Google erkennt Duplicate Content und straft ihn ab.
- Technische Grundlagen: schnelle Ladezeiten, Mobile-First-Design, saubere URL-Struktur.
- Lokale SEO-Signale: Wenn Sie ein Ladengeschäft in Zürich, Bern oder Basel betreiben, verknüpfen Sie Ihren Shop mit einem Google Business Profile.
Falls Sie unsicher sind, wo Ihr aktueller Webauftritt steht, nutzen Sie unsere kostenlose SEO-Analyse als Ausgangspunkt.
Was ein professioneller Online Shop wirklich kostet
Die grösste Unsicherheit bei Schweizer KMU betrifft das Budget. Hier eine realistische Einordnung – keine Pauschalpreise, aber belastbare Spannen:
- Einstiegslösung (Baukasten/Eigenregie): CHF 0 bis 2’000 einmalig, plus CHF 30 bis 50 pro Monat laufend
- Professioneller KMU-Shop (WooCommerce/Shopify via Agentur): CHF 5’000 bis 15’000 einmalig, plus laufende Betreuung
- Enterprise-Lösung (Shopware/Magento): Ab CHF 15’000 bis weit über CHF 50’000
Vergessen Sie nicht die laufenden Kosten: Hosting, SSL-Zertifikat, Plugin-Lizenzen, Zahlungsanbieter-Gebühren und – oft der grösste Posten – Ihre eigene Zeit für Produktpflege, Bestellabwicklung und Kundenservice.
Ihr nächster Schritt
Einen Online Shop zu erstellen ist kein Wochenendprojekt. Aber es muss auch kein Mammutvorhaben sein. Starten Sie mit einer klaren Bestandsaufnahme: Wie viele Produkte? Welche Zahlungsarten? Welches Budget – einmalig und laufend? Und wie viel können Sie intern stemmen?
Wenn Sie diese Fragen nicht allein beantworten möchten, sprechen Sie mit uns. Als Full Service Agentur in Zürich begleiten wir Schweizer KMU von der Plattformwahl bis zum laufenden Betrieb. Vereinbaren Sie jetzt eine kostenlose Erstanalyse über unsere Kontaktseite – wir melden uns innert 24 Stunden bei Ihnen.
❓ Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet es, einen Online Shop in der Schweiz zu erstellen?
Welches Shopsystem eignet sich am besten für Schweizer KMU?
Muss ich TWINT in meinem Online Shop anbieten?
Welche rechtlichen Anforderungen gelten für einen Schweizer Online Shop?
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